Das Borderline-Syndrom
Immer mehr, meist jüngere Menschen leiden an einer seelischen
Störung, die als das Borderline-Syndrom bekannt ist.
Das Borderline-Syndrom ist eine "Erkrankung" der Psyche,
meist ausgelöst durch Verlustangst, dem Fehlen von Grundwerten
im Leben, Armut, zerstörten Familien, Arbeitslosigkeit, Leistungsdruck,
Drogen und Krankheiten.
Kinder wachsen ohne Väter auf, Familien nehmen sich zu wenig
Zeit für die Kinder, es fehlt der Halt in der Familie, die
Betroffenen kommen sich abgeschoben und wertlos vor.
In letzter Zeit jedoch wird die Öffentlichkeit immer aufmerksamer
auf die Situation der Borderliner. Es gibt inzwischen Bücher,
Filme und immer häufiger auch Berichte über die Krankheit,
so daß das Borderline-Syndrom mitlerweile gesellschaftlich
so akzeptiert ist, daß man zumindest darüber reden kann.
Auch in der Behandlung der Erkrankung haben einige schon viele
falsche Methoden erfahren und falsche Konzepte erleben müssen.
Die Krankheit Borderline ist leider noch nicht so klar zu behandeln
wie zum Beispiel eine Depression oder eine Angststörung. Jedoch
ist die Medizin und die Psychologie auf dem richtigen Weg und macht
immer größere Fortschritte.
Die Borderline-Störung wird überwiegend bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen diagnostiziert. Sie ist eine Störung
der Psyche, die ganz anders ist als andere psychische Störungen:
der Betroffene ist wie zerrissen in sich selbst, er ist orientierungslos,
so wie die Welt, in der wir leben.
Dabei ist das Borderline-Syndrom nicht neu, es ist schon lange
bekannt. Bereits im 17. Jahrhundert schrieb der englische Arzt Thomas
Sydenham über diese Krankheit. Sein Zitat "Sie lieben
diejenigen ohne Maß, die sie ohne Grund hassen werden"
ist inzwischen bekannt in diesem Zusammenhang. Er beschrieb damals
die heftige Wut, die Schmerzen und die Angst der Betroffenen.
Der Begriff "Borderline" wurde 1938 erstmals verwendet.
Adolph Stern, ein amerikanischer Psychoanalytiker, nannte ihn in
seiner Schrift über die "borderline group of neuroses".
Dieser von Stern geprägte Begriff definierte Borderline als
eine Störung, die weder eine Neurose noch eine Psychose war.
Vielmehr treten Psychosen und Neurosen abwechselnd auf.
In den darauf folgenden Jahrzehnten wurde deutlich, daß tatsächlich
viele Patienten an dieser Störung erkrankt waren, jedoch bisher
durch eine fehlende Diagnostik unerkannt blieben.
Wie man vielleicht aus der langen Geschichte der unentdeckten Borderline-Erkrankung
erkennen kann, scheint es für die Borderline-Störung keine
immer geltenden Regeln zu geben. Das Borderline-Syndrom ist immer
unterschiedlich, so wie jeder Patient unterschiedlich ist.
Borderline nach ICD 10
F60 - Spezifische Persönlichkeitsstörungen
Es handelt sich um schwere Störungen der Persönlichkeit
und des Verhaltens der betroffenen Person, die nicht direkt auf
eine Hirnschädigung oder -krankheit oder auf eine andere psychiatrische
Störung zurückzuführen sind. Sie erfassen verschiedene
Persönlichkeitsbereiche und gehen beinahe immer mit persönlichen
und sozialen Beeinträchtigungen einher. Persönlichkeitsstörungen
treten meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung
und bestehen während des Erwachsenenalters weiter.
F60.3 - Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline-Störung)
Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse
ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden
mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine
Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit,
impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz
zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen,
insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert
werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden:
Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale
Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline-
Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes,
der Ziele und der inneren
Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch
intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu
selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.
Für eine Diagnose der " emotional instabilen Persönlichkeitsstörung
" müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
1. Deutliche Tendenz unerwartet und ohne Berücksichtigung
der Konsequenzen zu handeln
2. Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen,
vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt
werden
3. Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit
zur Kontrolle explosiven Verhaltens
4. Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht
unmittelbar belohnt werden
5. Unbeständige und unberechenbare Stimmung und mindesten
2 der folgenden Kriterien müssen für die Diagnose "Borderline
Typus" vorliegen
1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen
und "inneren Präferenzen" ( einschließlich
sexueller) )
2. Neigung sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen,
oft mit der Folge von emotionalen Krisen
3. Übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden
4. Wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung
5. Anhaltende Gefühle von Leere
Borderline DSM IV
Von einer Borderline - Persönlichkeitsstörung (BPS) spricht
man, wenn die betroffene Person unter einem "tiefgreifenden
Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen,
im Selbstbild und in den Gefühlen sowie unter deutlicher Impulsivität"
leidet.
Bei einer BPS müssen 5 der nachfolgenden Kriterien vorhanden
sein:
1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes
Verlassenwerden zu vermeiden. z.B. klammerndes Verhalten, Suizidandrohungen
2. Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen,
das durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und
Entwertung gekennzeichnet ist . Eine Person wird nur als "gut"
gesehen und entsprechend idealisiert. Dieselbe Person kann nach
kurzer Zeit aus unterschiedlichen Gründen abgrundtief gehaßt
werden, alle vorher festgestellten guten Eigenschaften sind vergessen.
3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde
Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung. Ein
Borderliner kann sich nicht selbst definieren. Es gibt Borderliner
die sich als Mensch definieren können, aber eine sehr gestörte
Identität in Bezug auf ihr eigenes Geschlecht aufweisen, indem
sie z.B. ihren eigenen Körper verachten. Sie verfügen
auch in der Regel über kein stabiles Selbstbild und neigen
zu extremen Minderwertigkeitsgefühlen. Sie glauben nicht an
ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten und suchen deshalb
immer wieder in ihrem Umfeld nach Bestätigung.
4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden
Bereichen (außer Selbstverletzungen oder Suiziddrohungen).
Drogenmißbrauch, riskantes Fahrverhalten, Tablettenmißbrauch,
häufig wechselnde Sexualpartner ohne Rücksicht auf Infektionsrisiken
etc.
5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder
-drohungen oder Selbstverletzungsverhalten. Neben Selbstmordversuchen,
sind Selbstverletzungen (SVV) bei Borderlinern sehr häufig
anzutreffen. Viele fügen sich Schnittverletzungen hauptsächlich
an den Armen zu.
6. Stark wechselhafte Stimmung. Mehrmalige grundlose Stimmungsschwankungen
am Tag sind möglich, vom Hochgefühl bis hin zur Depression.
7. Chronische Gefühle der Leere. Viele Borderliner fühlen
sich regelrecht wie Zombies. Sie haben keine spürbaren Empfindungen
und fühlen sich selbst leblos.
8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren.
Beschreibt Zustände von extrem starken Wutausbrüchen und
aggressivem Verhalten, daß in keinem Verhältnis zu der
momentanen Situation steht.
9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide
Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome. In belastenden
Situationen können sich Borderliner verfolgt fühlen, oder
den Eindruck haben, daß sie jemand zerstören will. Auch
können sie das Gefühl haben sich von ihrem Körper
zu entfernen, daß Umfeld wird nur noch sehr fern und dumpf
wahrgenommen. Diese Symptome verschwinden, wenn die Situation als
nicht mehr bedrohlich oder belastend empfunden.
weiter...
Weitere Informationen über das Borderline-Syndrom
auf gibt es hier
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